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Feb
27

St. Petersburg mausert sich zur Wagner-Stadt

Valery Gergiev schmiedet eifrig an Richard Wagners “Ring des Nibelungen”. Auf den Start mit der “Walküre” lässt er nun den Vorabend der Tetralogie, “Das Rheingold”, folgen.

RheingoldDie schon bei der “Walküre” erfolgreiche Methode, international renommierte Wagner-Sänger mit den exzellenten Kräften des unerschöpflichen Ensembles des St. Petersburger Mariinsky-Theaters zu vereinen, bewährt sich auch beim “Rheingold”. Die aus Mitschnitten vom Juni 2010 sowie Februar und April 2012 montierte Aufnahme zeichnet sich durch hohes vokales Niveau und theatralische Spannung aus. Geprägt wird sie freilich von Valery Gergiev, der seine höchst flexiblen Mariinsky-Musiker mittlerweile auch zu einem Wagner-Klangkörper geformt hat, der keine Vergleiche scheuen muss. Gergiev, der meist recht flüssig dirigiert, bisweilen aber auch überraschende Tempi wählt, lässt sein exzellentes Orchester sehr detailgenau und durchsichtig musizieren, kostet jedoch andererseits die ihm anvertrauten großen Effekte mit überwältigender Klangkultur genüßlich aus und formt die rein instrumentalen Zwischenspiele zu imposanten Höhepunkten.

René Pape liegt der “Rheingold”-Wotan ein wenig zu hoch. Fehlt ihm auch bei den Spitzentönen heldenbaritonaler Glanz, so verströmt er doch, puren Wohlklang und kantable Legatokultur mit großer Wortdeutlichkeit verknüpfend, ein hohes Maß an vokaler Autorität. Als zweiter deutscher Sänger stattet der Tenor Stephan Rügamer den Loge mit subtilen lyrischen Farbtönen aus.

Aus dem mit erfreulich hoher Textverständlichkeit aufwartendem Mariinsky-Ensemble ragt zunächst der vielseitige Bariton Nikolai Putilin als äußerst intensiv gestaltender Alberich hervor. Fernd des keifenden Rollenklischees singt Ekaterina Gubanova die Fricka mit sattem Mezzo. Mikhail Petrenko, der schon in Simon Rattles Salzburger Oster-”Ring” brilliert hat, gibt dem Fasolt prägnantes Profil, während Evgeny Nikitin als Fafner ein wenig zu baritonal klingt. Nachdrücklich auf sich aufmerksam macht Alexei Markov als Donner. Zu viel Hall ist Zlata Bulychevas Erda unterlegt. Zhanna Dombrovskaya, Irina Vasilieva und Ekaterina Sergeeva legen als homogenes Rheintöchter-Terzett Zeugnis vom hohen Standard des Mariinsky-Ensembles ab.

Richard Wagner: “Das Rheingold”.
René Pape (Wotan), Alexei Markov (Donner), Stephan Rügamer (Loge), Ekaterina Gubanova (Fricka), Zlata Bulycheva (Erda), Nikolai Putilin (Alberich), Evgeny Nikitin (Fasolt), Mikhail Petrenko (Fafner), Zhanna Dombrovskaya (Woglinde), Irna Vasilieva (Wellgunde), Ekaterina Sergeeva (Floßhilde); Mariinsky-Orchester, Dirigent: Valery Gergiev. Mariinsky, 2 CDs.

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Ernst Naredi-Rainer, Journalist, KulturErnst Naredi-Rainer

 

Über den Autor

Ernst Naredi-Rainer

Kultur-Redakteur der Kleinen Zeitung